Philosophie

„Licht bedingt den Schatten und Schatten kommt aus dem Licht.“


Sichtbar machen, was im Schatten liegt

Während andere achtlos an ihm vorübergehen, bleibt sie stehen, um ihn einzufangen: den Schatten, diese flüchtige Erscheinung. Gebannt auf Papier, häufig in übergroßem Format, verhilft Martina Lückener ihm zu einer manifesten Präsenz.
Gerade Alltägliches, das in unserer schnelllebigen Zeit kaum noch Beachtung findet, gewinnt in ihren Scherenschnitten an Kontur und Sichtbarkeit. Ob Schattenbilder von Menschen, Tieren oder Pflanzen – klar und prägnant gestaltet ziehen ihre schwarzen Flächenfiguren die Aufmerksamkeit auf sich und eröffnen durch Abweichungen von vertrauten Sehmustern eine neue Perspektive; mal verkürzt, mal lang gezogen oder sich überschneidend suchen sie das Hintergründige in dem, was auf den ersten Blick einfach erscheint, bringen auf ungewöhnliche Weise Unbekanntes ans Licht.

Auch in der Grafik, Malerei und Fotografie von Martina Lückener gibt der Schatten den Ton an, hier jedoch unter anderem Vorzeichen. So weicht der Schatten dem Licht, das Schwarz der Farbe, das Statische des Scherenschnitts dem Prozesshaften der Malerei. Das Wechselspiel von Licht und Schatten bestimmt die gesamte Arbeit der Künstlerin. Dabei gelingt es ihr immer wieder, mit einer so eigenwilligen wie einfühlsamen Ästhetik das sichtbar zu machen, was heute allzu oft im Schatten liegt: einen von allen Äußerlichkeiten befreiten Kern.

Text von Jutta Morrien, 2008

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